Leseprobe – Auszug aus dem Buchkapitel: Die Sprache

Bedeutung der Sprache in der Selbsthypnose

Sprache ist für uns Menschen ein gewaltiges Werkzeug. Sprache hat uns vermutlich erst zu dem gemacht, was wir sind. Sprache gibt uns die Möglichkeit mit der Umwelt in Verbindung zu treten. Wir bauen damit soziale Kontakte auf… oder auch ab. Wir können über Sprache Anweisungen geben, beschreiben und Hilfe anfordern. Sprache ist überlebenswichtig. Umso verwirrender ist, dass wir so wenig darüber nachdenken. Es herrscht der Glaube vor, Sprache funktioniert einfach so.

„Das habe ich doch einfach nur so gesagt!“

Dieser Satz sagt schon alles. Sprache läuft zu einem großen Teil unterbewusst ab. Es gibt eigene Hirnareale für das Sprechen und das Aufnehmen von gesprochener Sprache . Vielleicht sind es diese unterbewusst ablaufenden Vorgänge, die uns glauben machen Sprache würde einfach so funktionieren. Deshalb werden wir einige Gedanken darauf verwenden, wie wir zumindest in der Selbsthypnose mit Sprache umgehen. Und wenn Sie daraus etwas für die tägliche Kommunikation mitnehmen können, ist das noch besser.

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Nach heutigem Kenntnisstand sind beim Sprechen vor allem zwei Hirnregionen beteiligt. Das Broca-Areal (Paul Broca, franz. Neurologe, 1824-1880) ist für die Einhaltung der Syntax und der Grammatik ausschlaggebend. Darüber hinaus steuert es die Motorik. Das Wernicke-Areal (Carl Wernicke, deutscher Arzt, 1848-1905) ist für die Erkennung der Sprache wichtig. Es „übersetzt“ die eingehenden akustischen Signale in Wörter.
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Sprache ist ein wichtiges Instrument bei der Arbeit mit Hypnose. Es ist oftmals auch das einzige Werkzeug, um die Aufmerksamkeit des Klienten zu lenken (siehe „Aufmerksamkeit“). Über die Sprache werden Bilder und Gefühle erzeugt. Sie ermöglicht es Denkprozesse anzustoßen und eben auch die Aufmerksamkeit auf das gewünschte Thema zu lenken. Die Kunst bei der Hypnose ist es, die gewünschten Punkte in der Aufmerksamkeit zu halten, während sich die Wahrnehmung mit etwas Anderem beschäftigt (siehe „Wahrnehmung“). Dadurch kann sich das Unterbewusstsein mit dem Thema auseinandersetzen, ohne dass unser Bewusstsein es mitbekommt.

Im Folgenden werden wir uns mit einigen sprachlichen Möglichkeiten vertraut machen, die es uns ermöglichen die Sprache für die Entspannung und später für die Selbsthypnose zu nutzen.

Sprachmuster

Das Lenken der Aufmerksamkeit spielt in der Hypnose eine wichtige Rolle. Auch bei der Entspannung ist das wichtig. Und das ist unsere vorbereitende Maßnahme zur Selbsthypnose (siehe „Etwas Entspannung“).

Bei der Selbsthypnose ist es von großer Wichtigkeit, wie wir mit uns selbst reden. Durch geeignete Sprachtechniken und eine gezielte Wortwahl lässt sich die Gelassenheit noch vertiefen und zur Selbsthypnose überleiten. Sprachmuster lassen sich einsetzen, um die Trance zu vertiefen. Sie sind ebenfalls hilfreich, um Aussagen leichter aufnehmen zu können. Sie können mit den folgenden Sprachmustern an Gewohnheiten arbeiten. Dadurch lassen sich alte Gewohnheiten aufweichen und lösen. Und ebenso können Sie durch Aussagen Ihrem Unterbewusstsein neue Gewohnheiten schmackhaft machen.

Sprachmuster bilden den Leim zwischen den einzelnen Worten. Es folgen einige einführende Muster.

Und-Verknüpfung

Achten Sie einmal darauf, wie häufig wir in Gesprächen das Wort „aber“ benutzen. Und es ist alles andere als gut. Ein „aber“ negiert die vorherige Aussage. Es gibt Gesprächspartner, die ihre Sätze sogar mit „Ja, aber…“ anfangen. Und mit schöner Regelmäßigkeit bringen sie damit ihr Gegenüber in beeindruckender Geschwindigkeit auf die Palme. Auch bei Gesprächen mit uns selbst achten wir selten auf die Wortwahl. „Aber“ ist seit unserer Kindheit negativ besetzt. Nach „aber“ kam der Haken an der Sache.

„Wir gehen Eis essen, aber vorher räumst Du Dein Zimmer auf!“

Von wegen „Eis essen“! Da müsste ja irgendjemand das Zimmer aufräumen. Das „aber“ stoppt.

„Wir gehen Eis essen!“. Stopp! „Vorher räumst Du Dein Zimmer auf!“

Die Reihenfolge ist falsch. Es soll doch erst das Zimmer aufgeräumt werden und danach geht es zum Eis essen. Da haben wir auch schon die Lösung. Das kleine Wörtchen „und“. Sie können jedes „aber“ durch ein „und“ ersetzen. Sie müssen lediglich die Reihenfolge der Aussagen ändern.

„Du räumst Dein Zimmer auf und wir gehen Eis essen!“

Klingt doch gleich positiver und fordert zum Handeln auf. „Und“ zeigt in die Zukunft und motiviert. Vielleicht ist das Zimmer danach noch immer etwas unstrukturiert, ein Anfang ist jedenfalls gemacht.

„Und“ verbindet Gleichartiges. Und so lassen sich auch Dinge unterbringen, die zunächst gar keine Verbindung zueinander haben.

„Ich liege hier. Und ich atme und fühle meine Arme und entspanne.“

Wir haben über die Jahre gelernt, dass Aussagen, die durch „und“ verknüpft sind, eine Einheit bilden. Sie gehören zum gleichen Thema. Ist die erste Aussage wahr, verbinden wir mit „und“ weitere wahre Aussagen. Genau das ist der Zweck dieses unscheinbaren Wörtchens. Die obigen Aussagen „liegen“, „atmen“, „fühlen“ werden direkt als wahr empfunden. Sie sind sofort nachvollziehbar und werden bestätigt. Die vierte Aussage wird durch „und“ angehängt und lässt sich so am Kritikbewusstsein vorbeischleusen. Dadurch steigt die Chance, dass auch sie als wahr eingestuft wird. Und in diesem Buch finden wir das Wörtchen „aber“ nur in diesem Abschnitt. Weshalb wohl?

…weiter geht’s im Buch!